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Pflanzliche Potenzmittel: Ginseng, Tribulus, Maca und was die EU dazu sagt

Pflanzliche Potenzmittel berufen sich auf Wurzeln und Kräuter, die in der Volksheilkunde Asiens, Südamerikas und Europas einen Namen haben. Welche davon in EU-Monographien beschrieben sind und welche nur auf Tradition beruhen, sortiert diese Seite: Ginseng, Kürbis und Brennnessel, Tribulus und Maca. Dazu kommt die Rechtsfrage, ob eine Kapsel mit Pflanzenauszug ein Arzneimittel oder ein Nahrungsergänzungsmittel ist. Als Beispiele dienen zwei Kapselpräparate, Prostalis und Alpha Beast; Erektionsprobleme klärt vorher die Arztpraxis.

Sebastian Kühn

Sebastian Kühn

Redakteur, Schwerpunkt Nahrungsergänzungsmittel, kein Arzt

Präparate in dieser Rubrik

  • Weiße Flasche Prostalis mit 20 Kapseln, Etikett mit rotem Schriftzug

    Prostalis Kapseln

    20 Kapseln

    Enthält Kürbisextrakt, Brennnesselextrakt, Tribulus terrestris Extrakt

    4,90 € pro Tag laut Hersteller, Stand 09.10.2026

  • Schwarze Dose Alpha Beast mit rotem Aufdruck, 60 Kapseln, Hinweis Maxi Pack und Nahrungsergänzungsmittel

    Alpha Beast Kapseln

    60 Kapseln

    Enthält L-Arginin, L-Citrullin, Maca-Pulver

Im direkten Vergleich

Pflanzliche Potenzmittel im Vergleich: Form und Packung, Hauptbestandteile und Preis laut Hersteller
PräparatForm und PackungHauptbestandteilePreisBericht
Weiße Flasche Prostalis mit 20 Kapseln, Etikett mit rotem SchriftzugProstalis Kapseln 20 Kapseln Kürbisextrakt, Brennnesselextrakt, Tribulus terrestris Extrakt 4,90 € pro Taglaut Hersteller, Stand 09.10.2026 Zum Bericht
Schwarze Dose Alpha Beast mit rotem Aufdruck, 60 Kapseln, Hinweis Maxi Pack und NahrungsergänzungsmittelAlpha Beast Kapseln 60 Kapseln L-Arginin, L-Citrullin, Maca-Pulver siehe Angebotsseite Zum Bericht

Pflanzliche Potenzmittel: Arzneimittel oder Nahrungsergänzung?

Ob ein Produkt als Arznei oder als Lebensmittel verkauft wird, entscheidet nicht die Pflanze, sondern der Weg zum Markt. Ein pflanzliches Arzneimittel braucht eine Zulassung oder die Registrierung als traditionelles Mittel; dafür muss es seit mindestens 30 Jahren verwendet werden, davon 15 in der EU. Es nennt ein Anwendungsgebiet und liefert einen Beipackzettel mit. Ein Nahrungsergänzungsmittel meldet der Hersteller spätestens zum ersten Verkauf an, ohne dass das Amt etwas genehmigt, und es darf Zutaten und Einnahme beschreiben, mehr nicht. Dieselbe Wurzel kann in beiden Gruppen stecken. Wer „Potenzmittel pflanzlich“ sucht, begegnet vor allem der zweiten. Auf Lebensmitteln sind gesundheitsbezogene Aussagen nur erlaubt, wenn sie auf der EU-Liste stehen, und für Pflanzenextrakte wie Ginseng, Tribulus oder Maca findet sich dort kein Satz. Die Übersicht über alle Gruppen bietet der Ratgeber zu natürlichen Potenzmitteln.

Ginseng, Kürbis und Brennnessel: Was die EMA-Monographien festhalten

Für drei der Pflanzen in Prostalis liegen EU-Monographien vor, jeweils als traditionelles Arzneimittel. Ginsengwurzel (Panax ginseng) ist dort zur Linderung von Müdigkeit und Schwächegefühl beschrieben, überarbeitet seit 2024; über die Erektion sagt die Monographie nichts. Kürbissamen und Brennnesselwurzel führt die EMA als traditionelle Mittel bei Beschwerden beim Wasserlassen, die Brennnesselwurzel in einer 2025 überarbeiteten Fassung, und bei beiden sollen vorher ernste Ursachen ärztlich ausgeschlossen sein. „Traditionell“ heißt: Die Anwendung beruht auf langer Erfahrung, nicht auf Studien. Zudem meinen die Monographien Arzneimittel mit festgelegtem Pflanzenteil und festgelegter Zubereitung, sie sind keine Zulassung für Kapseln, die als Nahrungsergänzung verkauft werden.

Tribulus und Maca: Pflanzen ohne EU-Monographie

Tribulus terrestris, der Burzeldorn, stammt aus der indischen und chinesischen Volksheilkunde. Die EMA hat die Pflanze bewertet und 2025 eine öffentliche Stellungnahme veröffentlicht: Für eine EU-Monographie reichen die vorliegenden Daten nicht. Studien an Männern gibt es dennoch. Zwei Übersichtsarbeiten von 2025 und 2026 sehen kleine Vorteile bei Erektionswerten, die erste stuft die Qualität der Studien als gering ein; das Testosteron änderte sich in acht von zehn Studien nicht nennenswert. Zur Sicherheit liegen wenige Daten vor; in der Stoffliste des Bundes und der Bundesländer führt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) Tribulus deshalb in Liste C, also unter den Stoffen, deren Verwendung möglicherweise gesundheitsschädigend ist. Wer Dauermedikation nimmt, fragt vorher in der Praxis oder Apotheke nach.

Maca, die Wurzel aus den peruanischen Anden, ist Nahrungsmittel und Nahrungsergänzung, kein Arzneimittel. In einer Studie mit 57 gesunden Männern über zwölf Wochen stieg das sexuelle Verlangen ab der achten Woche, das Testosteron blieb gleich (Gonzales et al., 2002). Eine Übersichtsarbeit von 2010 wertete vier Studien aus und sprach von begrenzter Evidenz.

Potenzmittel pflanzlich für Männer: Zwei Beispiele

Pflanzliche Potenzmittel für Männer gibt es in vielen Mischungen, zwei dienen hier als Beispiele. Prostalis steht für die überwiegend pflanzliche Mischung: Extrakte aus Kürbis (Cucurbita maxima), Brennnessel (Urtica dioica), Tribulus terrestris und Panax-Ginseng, dazu Vitamin C, für das die EU Aussagen zu Immunsystem und Zellschutz zulässt. Eine Flasche mit 20 Kapseln reicht bei zwei am Tag zehn Tage; je eine Kapsel gehört nach dem Frühstück und nach dem Abendessen. Alpha Beast ist überwiegend eine Aminosäure-Mischung, enthält aber mit Maca-Pulver (200 mg) und Traubenkernextrakt (20 mg) zwei pflanzliche Bestandteile und dazu Zinkcitrat. Wer pflanzliche Auszüge in den Vordergrund stellen möchte, liest zuerst den Bericht zu Prostalis, wer Aminosäuren und Zink sucht, den zu Alpha Beast. Beide stehen auch unter Alle Präparate im Vergleich nebeneinander; was ohne Rezept zu haben ist, ordnet Potenzmittel rezeptfrei ein.

So liest man die Zutatenliste eines Pflanzenpräparats: „Extrakt“ bezeichnet einen konzentrierten Auszug der Pflanze, „Pulver“ die gemahlene Pflanze selbst. Wichtig ist der Pflanzenteil, denn die Monographien beschreiben ihn genau, etwa Brennnesselwurzel statt Brennnesselblättern oder Kürbissamen statt Fruchtfleisch. Prostalis nennt Extrakte mit der Pflanzenart, Alpha Beast führt Maca als Pulver. Wer die Zutatenliste mit den Namen der Monographien abgleicht, sieht schnell, welche Pflanze wofür traditionell beschrieben ist.

Verträglichkeit: Pflanzlich heißt nicht automatisch harmlos

Kürbissamen können leichte Magen-Darm-Beschwerden auslösen, die Brennnesselwurzel Übelkeit, Sodbrennen, Völlegefühl, Durchfall und allergische Hautreaktionen; so steht es in den Monographien. Ginseng sorgt bei empfindlichen Menschen mitunter für Unruhe und Schlafstörungen und kann den Blutzucker beeinflussen. Zu Maca konnte das BfR 2007 wegen der dünnen Datenlage keine unbedenkliche Verzehrmenge ableiten, fand aber auch keine Belege für Schäden. Yohimbe, früher ein Klassiker unter den pflanzlichen Potenzmitteln, ist in Lebensmitteln seit 2019 verboten. Wer dauerhaft Medikamente nimmt oder auf Pflanzen allergisch reagiert, klärt die Einnahme vorab mit Praxis oder Apotheke. Wo es um Lust und Libido geht, hilft der Beitrag Libido beim Mann steigern, bei anhaltenden Erektionsproblemen der Beitrag Erektionsstörungen. Die Frage nach der schnellen Wirkung beantwortet die Seite zur Sofortwirkung. Die Präparate sind für erwachsene Männer gedacht, nicht für Frauen, Jugendliche oder Kinder.

Worauf Sie achten sollten

MerkmalDarauf kommt es an
Arzneimittel oder NahrungsergänzungNummer und Packungsbeilage zeigen ein Arzneimittel, der Hinweis „Nahrungsergänzungsmittel“ ein Lebensmittel. Der Aufdruck verrät den Weg zum Markt.
PflanzennameEin Auszug mit deutschem und botanischem Namen lässt sich in den EMA-Monographien nachschlagen.
Aussagen auf der SeiteErlaubt sind Sätze der EU-Liste, etwa zu Zink und Vitamin C. Für Pflanzenauszüge enthält sie keinen Satz zu Erektion oder Lust.
Einnahme und KurlängePflanzliche Mittel nimmt man über Wochen. Zehn Tage je Flasche bei Prostalis und 30 Tage je Packung bei Alpha Beast helfen beim Planen.

Fragen aus der Praxis

Welche Pflanzen stecken in pflanzlichen Potenzmitteln?

Am häufigsten Ginseng, Maca, Tribulus, Brennnessel und Kürbis, oft zusammen mit Aminosäuren oder Mineralstoffen. Prostalis enthält Extrakte aus Kürbis, Brennnessel, Tribulus und Panax-Ginseng, Alpha Beast Maca-Pulver und Traubenkernextrakt. Yohimbe, früher ein Standardbaustein, ist in Lebensmitteln seit 2019 nicht mehr zugelassen (Verordnung (EU) 2019/650).

Sind pflanzliche Potenzmittel rezeptfrei?

Viele pflanzliche Arzneimittel sind rezeptfrei, aber meist nur in der Apotheke zu haben, Nahrungsergänzungsmittel gibt es ohne Rezept auch im Handel oder direkt beim Anbieter. Rezeptfrei sagt nichts über Wechselwirkungen: Bei Nitraten, Blutdruckmitteln, Gerinnungshemmern und Diabetes-Medikamenten fragen Sie vorher in der Praxis oder Apotheke.

Arbeiten pflanzliche Potenzmittel anders als Rezeptmittel?

Ja. PDE-5-Hemmer sind für Erektionsstörungen geprüft und unterstützen die Erektion bei sexueller Erregung. Pflanzliche Zubereitungen sind für andere Anwendungsgebiete beschrieben, oder sie kommen als Nahrungsergänzung ohne Anwendungsgebiet auf den Markt und stützen sich auf Tradition und kleine Studien. Wer ein Rezeptmittel nimmt, wechselt nicht von sich aus auf eine Kapsel, sondern bespricht jede Änderung mit der Praxis.

Wie lange nimmt man pflanzliche Potenzmittel?

Eine feste Dauer schreiben die Monographien nicht vor. Prostalis staffelt seine Pakete von zehn bis 80 Tagen, bei Alpha Beast reicht eine Packung 30 Tage. Sinnvoll ist ein Zeitraum, den Sie sich vorher setzen, und am Ende der Vergleich mit Ihren Notizen von vorher. Wer nichts bemerkt, erhöht nicht die Menge, sondern fragt in der Praxis nach.

Aus dem Journal