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Libido beim Mann steigern: Ursachen für wenig Lust und was hilft

Sebastian Kühn

Sebastian Kühn

Redakteur, Schwerpunkt Nahrungsergänzungsmittel, kein Arzt

Beiges Maca-Pulver und getrocknete Maca-Wurzelscheiben auf einem Holzbrett, daneben ein Zweig mit grünen Blättern
Beiges Maca-Pulver und getrocknete Maca-Wurzelscheiben auf einem Holzbrett, daneben ein Zweig mit grünen BlätternSymbolbild

Wenig Lust auf Sex kennen viele Männer, darüber gesprochen wird selten, und eine Kapsel, die das Verlangen verlässlich weckt, gibt es unter den Nahrungsergänzungsmitteln nach heutiger Studienlage nicht. Wer die Libido beim Mann steigern will, sollte zuerst klären, woran es liegt: an Hormonen, Stress, Schlaf, Medikamenten, der Beziehung oder einer Erkrankung. Der Beitrag ordnet die Ursachen, nennt Maßnahmen, die im Alltag etwas bewirken, und prüft, was für Maca, Ginseng und Tribulus tatsächlich untersucht wurde und was nicht.

Das Wichtigste vorab

  • Libido ist das Verlangen nach Sex, die Erektionsfähigkeit etwas anderes. Beides kann unabhängig voneinander nachlassen und schwankt im Lauf des Lebens.
  • Häufige Gründe sind Stress, Schlafmangel, Depression, Beziehungsprobleme, Übergewicht, Diabetes, Hormonstörungen und Medikamente, etwa viele Antidepressiva.
  • Übergewichtige Männer berichteten nach einer Gewichtsabnahme in einer Übersichtsarbeit von 2025 deutlich mehr sexuelles Verlangen, zugleich stieg das Testosteron.
  • Für Maca gibt es eine kleine Studie mit mehr Lust ab der achten Woche, das BfR kann die Sicherheit mangels Daten nicht beurteilen. Ginseng und Tribulus sind vor allem zur Erektion untersucht, nicht zur Lust.
  • Lässt die Lust über Monate nach, besonders mit Müdigkeit, gedrückter Stimmung oder Erektionsproblemen, gehört das ärztlich abgeklärt.

Was Libido ist und was sie schwanken lässt

Libido meint das Verlangen nach Sexualität: Gedanken, Fantasien, Lust auf Nähe. Mit der Fähigkeit zur Erektion hat das nur mittelbar zu tun. Mancher Mann hat Lust und Probleme mit der Erektion, mancher zuverlässige Erektionen und wenig Verlangen. An der Lust wirken mehrere Ebenen zugleich: Hormone wie Testosteron, Botenstoffe im Gehirn, die Gesundheit und die Lage, in der ein Mann gerade steckt. Welche Häufigkeit normal ist, lässt sich deshalb nicht festlegen; das Verlangen schwankt mit Lebensphase, Belastung und Partnerschaft und ist selbst in derselben Altersgruppe sehr verschieden.

Von einer Störung sprechen Fachleute, wenn die Lust über längere Zeit deutlich geringer ist als früher oder als gewünscht und der Mann oder die Partnerschaft darunter leidet. Die europäische Urologie-Leitlinie widmet dem geringen sexuellen Verlangen ein eigenes Kapitel (EAU-Leitlinie zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit). Wer vor allem Schwierigkeiten mit der Erektion hat, liest besser den Beitrag zu Erektionsstörungen.

Körperliche Gründe: Hormone, Erkrankungen und Medikamente

Testosteron: Nachlassende Lust gilt als eines der typischen Zeichen eines Testosteronmangels. Die Deutsche Gesellschaft für Urologie nennt außerdem Schlafstörungen, Ängste und depressive Verstimmungen, Potenzprobleme, Gewichtszunahme, weniger Muskelmasse und abnehmende Knochendichte. Ob ein Mangel vorliegt, zeigt nur ein Bluttest. Der Beitrag Testosteron natürlich steigern erklärt, wie die Messung abläuft und welche Faktoren den Wert beeinflussen. Weitere hormonelle Gründe sind Schilddrüsenstörungen und ein erhöhter Prolaktinspiegel, etwa durch einen gutartigen Tumor der Hirnanhangsdrüse oder durch bestimmte Medikamente; beides dämpft die Lust und lässt sich behandeln, wenn es erkannt wird.

Erkrankungen: Depressionen vermindern das Interesse an Sex oft früher, als die Stimmung auffällt. Diabetes, Nieren- und Lebererkrankungen sowie Schlafapnoe gehen häufig mit weniger Lust einher; bei Schlafapnoe und zerstückeltem Schlaf sind niedrigere Testosteronwerte beschrieben.

Medikamente: Viele Antidepressiva, vor allem aus der Gruppe der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, können die Lust mindern. Ähnliches gilt für Opioide, für Antiandrogene bei Prostatakrebs und für Finasterid, das gegen Haarausfall und bei vergrößerter Prostata verordnet wird. In den Beipackzetteln steht verminderte Libido häufig unter den Nebenwirkungen. Setzen Sie Medikamente nie eigenmächtig ab: Bei Antidepressiva kann ein Abbruch die Erkrankung verschlimmern. Sprechen Sie die Lust in der Praxis an, oft gibt es eine andere Dosierung oder ein anderes Mittel.

Psyche, Stress und Beziehung

Lust braucht Spielraum. Wer dauerhaft unter Druck steht, schlecht schläft oder grübelt, hat häufig wenig Verlangen, und das ist eine nachvollziehbare Reaktion, kein Defekt. Bei Depressionen und Angststörungen nimmt die Freude insgesamt ab. In Partnerschaften dämpfen unausgesprochene Konflikte, Routine, Kränkungen, kleine Kinder oder die Pflege von Angehörigen das Verlangen. Auch Krisen wie ein Jobverlust, eine Trennung oder eine schwere Erkrankung nehmen vielen die Lust. Manchmal liegt nur ein Missverhältnis vor: Zwei Menschen haben unterschiedlich viel Lust, und beide fühlen sich unter Druck gesetzt. Und es kommt vor, dass ein Mann Nähe meidet, weil er Probleme mit der Erektion erwartet; nach außen sieht das aus wie fehlende Lust. Dann ist es sinnvoll, zuerst die Erektion anzugehen.

Was hilft, ist meist wenig spektakulär. Ein Gespräch, in dem es nicht um Schuld geht, Zeit für Nähe ohne Erwartung, weniger Dauerbelastung. Hält der Zustand an, sind Paarberatung, Sexualtherapie oder Psychotherapie sinnvoll; Beratungsstellen wie pro familia bieten Sexualberatung an, die Hausarztpraxis kann weitervermitteln. Dass die Lust bei Männern nachlässt, ist nichts Ungewöhnliches, und darüber zu sprechen, ist keine Schwäche.

Was im Alltag etwas bewirkt: Gewicht, Schlaf, Bewegung

Gewicht: Eine Übersichtsarbeit von 2025 sichtete 28 Studien zu Übergewicht und sexuellem Verlangen und rechnete für Diäten und Magenoperationen jeweils vier Studien zusammen. Nach beiden Wegen stieg das Verlangen deutlich, und nach Diäten auch das Testosteron; je größer der Gewichtsverlust, desto stärker der Gewinn an Lust (Biernikiewicz et al.). Die Studien nutzten verschiedene Fragebögen und waren nicht alle gleich sorgfältig angelegt, doch es bleibt der am besten belegte Hebel.

Schlaf: Bei jungen, gesunden Männern lagen die Testosteronwerte nach einer Woche mit nur fünf Stunden Schlaf pro Nacht um 10 bis 15 Prozent niedriger (Leproult und Van Cauter, JAMA 2011). Ausreichend Schlaf ist die billigste Maßnahme, die es gibt, und sie wirkt zugleich auf Stimmung und Stress.

Bewegung, Alkohol, Rauchen: Die DGU nennt regelmäßigen Ausdauersport, Normalgewicht, Rauchverzicht und maßvollen Alkoholkonsum als Vorbeugung gegen Testosteronmangel. Große Alkoholmengen schädigen die testosteronbildenden Zellen im Hoden (Emanuele und Emanuele, 1998), und abends getrunken verschlechtert Alkohol den Schlaf. Hilfreich ist außerdem, Lust nicht als Leistung zu behandeln: Wer sich unter Druck setzt, erzeugt oft genau die Anspannung, die sie dämpft. Wer wissen will, was bei ihm den Ausschlag gibt, führt vier Wochen lang ein Tagebuch mit Schlafdauer, Stress, Alkohol und Lust; Muster zeigen sich meist schneller, als man denkt, und die Praxis hat danach eine Grundlage für das Gespräch.

Pflanzen und Kapseln im Faktencheck: Maca, Ginseng, Tribulus

Maca: In einer Studie, die gezielt das Verlangen gesunder Männer untersuchte, nahmen 57 Männer zwischen 21 und 56 Jahren zwölf Wochen lang 1,5 oder 3 g Maca oder Placebo, in Form eines erhitzten, sogenannten gelatinisierten Pulvers. Ab der achten Woche gaben die Maca-Gruppen mehr sexuelles Verlangen an, Testosteron und Östradiol blieben gleich, ebenso die Stimmung (Gonzales et al., 2002). Eine Übersichtsarbeit fand 2010 insgesamt vier Studien mit 131 Teilnehmenden und beurteilte die Belege als begrenzt (Shin et al.). Die Wurzel gibt es in gelben, roten und schwarzen Varianten, und die Zubereitung der Studie muss nicht dem entsprechen, was in einer Kapsel steckt. Zur Sicherheit konnte das BfR 2007 wegen unzureichender Daten keine unbedenkliche Verzehrmenge ableiten, ohne dass es konkrete Belege für Schäden beim Menschen gefunden hätte.

Ginseng: Roter Ginseng ist vor allem bei Erektionsstörungen untersucht. Eine Übersichtsarbeit von 2008 wertete sieben Studien niedriger Qualität aus und sprach von Hinweisen, nicht von einem Beleg (Jang et al.). Zur Lust allein liegen kaum Daten vor. Ginseng kann Unruhe und Schlafstörungen auslösen und den Blutzucker beeinflussen.

Tribulus: Zwei Übersichtsarbeiten von 2025 und 2026 sehen kleine Vorteile bei Erektionswerten, die erste stuft die Evidenz als niedrig ein. Auf das Testosteron wirkte die Pflanze in acht von zehn Studien nicht. Die Pflanze enthält Alkaloide, die das Erbgut schädigen könnten, und Sicherheitsstudien am Menschen fehlen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit führt die Pflanze in seiner Stoffliste als möglicherweise gesundheitsschädigend; wer Tribulus nimmt, bleibt deshalb bei der angegebenen Dosis und Kurdauer und fragt bei Medikamenten vorher in der Praxis nach.

Für keinen der drei Stoffe ist in der EU eine Angabe zu Lust oder Erektion zugelassen. Kapseln mit diesen Pflanzen stellen die Berichte zu Alpha Beast und Prostalis vor; einen Überblick über die Stoffe und ihre Rechtslage bietet die Rubrik Pflanzliche Potenzmittel. Als Lebensmittel sind solche Kapseln weder ein Arzneimittel noch ein Ersatz für die ärztliche Abklärung einer anhaltenden Lustlosigkeit.

Wenn eine Erkrankung dahintersteckt

Depression, Diabetes, Schilddrüsen- und Hormonstörungen, aber auch eine beginnende Gefäßerkrankung können sich zuerst als nachlassende Lust zeigen. Auffällig sind Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Gewichtszunahme, starker Durst, Schlafstörungen oder zugleich Erektionsprobleme. Bei Verdacht auf eine Depression fragen Hausarztpraxen als Einstieg meist nach Interessenverlust und gedrückter Stimmung in den letzten zwei Wochen; das Ergebnis ist ein erster Hinweis, keine Diagnose. In der Praxis klären ein Gespräch, Blutwerte wie Blutzucker, Schilddrüse und Testosteron morgens nüchtern sowie ein Blick auf die Medikamentenliste die Lage; auch Alkohol und Drogen kommen zur Sprache, das ist Routine und kein Verhör. Eine Testosteronbehandlung ist verschreibungspflichtig und kommt nur bei nachgewiesenem Mangel in Betracht; ein Wert im Normbereich ist kein Grund, Hormone zu nehmen.

Wie Sie das Thema in der Partnerschaft ansprechen

Das Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner fällt vielen schwerer als der Gang in die Praxis. Es hilft, einen Zeitpunkt außerhalb des Schlafzimmers zu wählen, bei sich zu bleiben und einen Wunsch zu nennen statt einer Klage: Ein Satz wie „Mir fehlt seit einiger Zeit die Lust, und ich weiß noch nicht, warum“ lädt zum Zuhören ein, ein Vorwurf an den anderen führt in die Verteidigung. Wer ein Medikament nimmt oder eine Erkrankung hat, sagt das dazu, denn die Erklärung entlastet beide. Bleibt das Gespräch an derselben Stelle hängen, kann eine Paarberatung den Ton verändern.

Wann zum Arzt?

Wenn die Lust über mehrere Monate nachlässt, ohne dass Sie einen Anlass erkennen, besonders zusammen mit Müdigkeit, gedrückter Stimmung, Gewichtszunahme oder Erektionsproblemen, lassen Sie Blutzucker, Schilddrüse und Testosteron prüfen. Lässt die Lust nach dem Start eines Medikaments nach, sprechen Sie es an, statt es abzusetzen. Bei anhaltend gedrückter Stimmung suchen Sie früh Hilfe; die Telefonseelsorge ist unter 0800 111 0 111 kostenlos erreichbar.

Fragen aus der Praxis

Hilft Maca wirklich für mehr Lust?

Eine Studie mit 57 gesunden Männern sah nach acht Wochen mehr Verlangen unter 1,5 und 3 g täglich, das Testosteron blieb gleich. Eine Übersichtsarbeit spricht von begrenzter Evidenz, und das BfR konnte die Sicherheit mangels Daten nicht abschließend bewerten. Wer es ausprobiert, sollte es als Versuch mit offenem Ausgang sehen und in der Praxis nachfragen, wenn Medikamente oder Hormonerkrankungen im Spiel sind.

Welche Hausmittel steigern die Libido?

Gesicherte Hausmittel gibt es nicht. Besser belegt sind Gewichtsabnahme bei Übergewicht, genug Schlaf, Bewegung und wenig Alkohol. Lebensmittel mit dem Ruf eines Aphrodisiakums wie Austern, Ingwer oder Zimt haben nach der Stiftung Warentest keinen belegten Effekt. Auch Pulver und Tees aus dem Netz lösen das Problem nicht; wer ohne erkennbaren Grund über Monate lustlos ist, sucht besser die Ursache.

Senken Antidepressiva die Libido?

Bei vielen ja, vor allem Serotonin-Wiederaufnahmehemmer; die Beipackzettel nennen verminderte Libido häufig als Nebenwirkung. Das ist kein Grund, das Mittel abzusetzen, denn ein Abbruch kann Beschwerden und Rückfälle auslösen. Die Praxis kann die Dosis anpassen oder ein anderes Präparat wählen; ob eine Umstellung sinnvoll ist, hängt von der Erkrankung ab, die behandelt wird.

Kann ein Testosteron-Booster die Libido steigern?

Verlässlich belegt ist das nicht. Eine Übersicht von 52 Studien zu 27 sogenannten Boostern kam zu dem Ergebnis, dass die meisten das Gesamttestosteron nicht erhöhen, und ohne Mangel bringt ein höherer Wert ohnehin nicht mehr Lust. Wer niedrige Werte vermutet, lässt sie morgens nüchtern messen. Einzelheiten stehen im Beitrag zum Thema Testosteron natürlich steigern.

Ab wann gehört mangelnde Lust in ärztliche Hände?

Wenn sie mehrere Monate anhält, Sie oder die Partnerschaft belastet oder zusammen mit Müdigkeit, gedrückter Stimmung, Gewichtszunahme oder Erektionsproblemen auftritt. Auch ein plötzlicher Einbruch nach Beginn eines neuen Medikaments sollte angesprochen werden. Passende Anlaufstellen sind die Hausarztpraxis, die Urologie oder die Psychotherapie.

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